Dienstag, 8. März 2016

Mädchen-Dirndl - alles grün!

Alles grün hier!

Zumindest in den Kleiderschränken.
Grün heißt: es wird nix mehr neu gekauft. Was die Kinder und ich brauchen, nähe ich. Was ich nicht nähen kann oder will, kaufe ich second hand.

Ausnahme: Kleiderschrank des Mannes, Schuhe. Außerdem gibt es hin und wieder etwas neues von einem fairen Label. 

So war der Plan. Und es klappt. Seit über einem Jahr! Ich freue mich, dass sogar die Große, wenn sie die "Ich hab gar nichts anzuziehen!"-Misere packt, mit mir ins Stoffgeschäft oder den Second Hand Laden fährt.
Die beiden Kleinen mögen die "von Mama genäht"-Mode sowieso am Liebsten.

Genäht hab ich also einiges in den letzten Monaten, viele Basics, nix aufregendes.
Gebloggt habe ich nichts davon... irgendwie hatte ich weder Lust noch Motivation, die x-te Jogginghose oder das x-te Kapuzenshirt zu zeigen...

Aber kürzlich ist was Besonderes fertig geworden:





Ein einfaches Dirndlkleid mit Blusenoberteil. Die Stoffe hat sie selbst ausgesucht, die Zusammenstellung auch.





Und ich bin auch ziemlich stolz drauf, denn Knopflöcher und so - davor hab ich noch Respekt. Hat aber super geklappt, und war dann doch fix und einfach genäht!





Die Ausschnitt- und Ärmelsaum-Versäuberung mit der Spitze finde ich total süß, die Knöpfe auch.

Schnitt: Burda 9/2014, Rock und Oberteil verlängert.


Und jetzt will die Große auch ein Dirndl. Puh! Die hat aber schon Kurven, die verpackt werden müssen...
Neue Challenge, neues Glück!

Was ist eure aktuelle Näh-Challenge?
Nina.

Verlinkt: creadienstag

Freitag, 25. Dezember 2015

Wie ich zum vierten Mal Mama wurde.

Am ersten Dezember saß er in meinem Wohnzimmer: A. aus Syrien. Die breiten Schultern ließ er hängen, die Angst und Verzweiflung in seinen Augen war deutlich zu sehen.

Zwei Wochen zuvor hatte er seinen positiven Asylbescheid der Republik Österreich erhalten: er darf bleiben. Im Land, aber nicht in der Unterkunft, in der er sich im Moment befindet - Gratulation und auf Nimmerwiedersehen, denn die Unterkunft ist nur für Asylwerber vorgesehen. 
Was jetzt? Er hat kein Geld, kann kein Deutsch.

A. hat Glück: er kennt jemanden, der jemanden kennt, der die Plattform "Flüchtlinge willkommen Österreich" kennt, auf der wir registriert sind. 

So kommt er zu uns. 

Die ersten Tage hat er spürbar Angst, isst kaum und verbringt die Zeit in seinem Zimmer. Wenn ich nicht da bin, räumt er auf und putzt, bis alles glänzt.

Die Verständigung ist schwierig, ein paar Worte deutsch, ein paar Brocken englisch. Zum Glück gibt es den Google Übersetzer am Smartphone - aber das ist mühsam, und ich weiß nie, was da eigentlich bei ihm ankommt...

Warum machst du das, fragt er mich nach ein paar Tagen, nachdem ich mit ihm den ganzen Vormittag lästige Behördengänge absolviert hatte. Du bist Christ, ich bin Muslim, warum hilfst du mir? 

Du bist ein Mensch, ich bin ein Mensch, sage ich. Ist mir doch egal, ob du Muslim oder was auch immer bist.

Okay, Danke, sagt er, mit Unverständnis im Blick. Viele ähnliche Gespräche später begreife ich: Das Prinzip Nächstenliebe kommt in seinem Wertesystem so nicht vor. Da, wo A. herkommt, ist man extrem beziehungsorientiert - man hilft sich in der eigenen Großfamilie, man hilft jemandem, der einem früher mal geholfen hat, aber niemals einem Fremden oder einfach nur so. Daher kann er es nicht annehmen, wenn ihm jemand, der nicht sein Freund ist, etwas geben will.


Wer hat mehr Spaß - Lehrerin oder Schüler?

Nach zwei Wochen wird A. spürbar lockerer. Ich merke, dass er beginnt, mir zu vertrauen. Er fängt an zu glauben, dass er hier erstmal bleiben kann. Nach und nach erzählt er von seiner Flucht, von seiner Familie. Ich wundere mich, wie dieser schüchterne Junge es überhaupt lebend nach Österreich geschafft hat. 

Er hört auf, so schrecklich angepasst zu sein, und ich bemerke die ersten Macken. Dass er unglaublich stur sein kann. Launisch auch. Sehr stolz. Vereinnahmend: wenn er mir etwas erzählen oder mit mir deutsch lernen will, fordert er meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Es ist anstrengend. 
Er fordert viel von meiner Zeit und meiner Kraft, ein wenig vergleichbar mit einem neuen Baby. Wie durch ein Wunder habe ich immer genug davon. Wo kommt die zusätzliche Energie her? Ich danke Gott jeden Tag für diese Erfahrung. 

Durch ihn sehe ich meine Welt mit neuen Augen. Fahre mit ihm das erste Mal U-Bahn, sehe die Sehenswürdigkeiten der nahegelegenen Hauptstadt zum ersten Mal.
Du weißt nicht, wie das für mich ist, sagt er, als er zum ersten Mal den Stephansdom sieht. Ich habe noch nie so etwas Schönes gesehen. 
Und ich war noch nie so dankbar für mein Leben wie jetzt.


Bei strahlendem Sonnenschein ist Schönbrunn noch schöner.


Kurz vor Weihnachten wird A. nervös. Er spürt, dass etwas Wichtiges naht, und kann es nicht einordnen. Was wird von ihm erwartet? Wie soll er sich verhalten?
Erst möchte er nicht mitfeiern, aber schließlich lässt er sich überreden. Er bekommt auch Geschenke: ein selbstgemaltes Bild auf Keilrahmen von meiner jüngeren Tochter, eine Tube Haargel von meiner älteren, und noch ein paar Kleinigkeiten von Schwiegermama und Schwägerin. In meiner Weihnachtskarte schreibe ich ihm, wie froh ich bin, dass er zu uns gefunden hat. Dass er mir in der kurzen Zeit wirklich ans Herz gewachsen ist.
This is big for me, sagt er mir, sichtlich gerührt. Und: I love you like my mother.

Es klingt wahnsinnig kitschig, aber es fühlt sich so an, als sei mein Herz ein Stückchen gewachsen in diesen wenigen, intensiven Tagen. Als ich hätte ich auf einmal genug Platz darin für einen völlig fremden Menschen, der plötzlich in unser Leben getreten ist.

Das ist mein Weihnachtswunder.
Ich wünsche euch, dass ihr auch euer persönliches Weihnachtswunder erlebt habt. Dass ihr wie ich sagen könnt: das Leben ist schön. So, so schön. 
Nina.


Dienstag, 27. Oktober 2015

Creadienstag: Oktoberfreuden

Ruhig hier.
Aber hinter den Kulissen wird gehäkelt, genäht und gewerkelt.

Gehäkelt wird für die Babys meiner Freundinnen...









.... für Flüchtlinge...







... und für Weihnachten im Schuhkarton.





Genäht wurde ein Polizei-Shirt...




... und ein superkuscheliger Hoody...




... und auch Sachen für mich.
Leider wird das nichts, zur Zeit. Ich nähe, und dann passt es nicht so recht, gefällt nicht so recht.

Und ich weiß auch, woran es liegt: Wenn man sich in seiner Haut nicht so richtig wohl fühlt, kann man sich auch in seiner "zweiten Haut" nicht wohlfühlen - logisch.

Und während ich darauf warte, dass das wieder was wird mit mir und dem Nähen, genießen wir den Herbst.

Wir bemalen Kürbisse...

Man beachte die tolle Kastanienkette.

... und grillen das letzte Mal Marshmallows über dem Feuer.




Happy Oktober! Nina.

Verlinkt: creadienstag


Donnerstag, 1. Oktober 2015

Run, Baby (Tutorial für eine Sportgürteltasche).

Die Schulroutine ist bei uns wieder eingekehrt und damit der unerhörte Luxus von 2-3 freien Vormittagen pro Woche!

In letzter Zeit habe ich gerne Gruppensport mit lauter Musik (zB. Jumping) gemacht, ziemlich regelmäßig 1-2 mal die Woche. Das macht Spaß und gute Laune, und danach bin ich ausgepowert und fühle mich fit und gut.

Aber jetzt habe ich wieder entdeckt, dass es etwas gibt, was ich noch lieber mag:




Laufen. Am Morgen. Allein. Ohne Musik. Nur ich und der Feldweg.




So gut.
Ich hatte schon wieder vergessen, wie gut.

Laufen hilft bei mir gegen allerlei Wehwehchen, leichte Kopf- oder Regelschmerzen verschwinden.

Aber das beste daran ist, dass beim Laufen die guten Ideen nur so sprudeln!

Zum Beispiel für dieses Laufgürteltaschending. Also - die Idee ist nicht von mir. Habe ich so ähnlich schon im WWW gesehen. Aber ich wusste plötzlich genau, wie ich es mache!

Nämlich so:




Aus festem Jersey (meiner hat sich als zu labbrig erwiesen) ein Rechteck schneiden - die doppelte Höhe (bei mir 34 cm, der fertige Gürtel ist dann ca. 16 cm hoch/breit).

Die Länge habe ich an mir abgemessen, und da der Gürtel nicht rutschen soll, muss man je nach Dehnbarkeit des verwendeten Stoffes ca. 30 cm weniger als die Hüftweite abmessen.


Dann versäubere ich an den Längsseiten eine ca. 15 cm lange Stelle, auf beiden Seiten, gegenüberliegend - das wird der Eingriff.



Nun die langen Seiten zusammen nähen, die bereits versäuberte Stelle aussparen.

Jetzt werden die kurzen Seiten zusammengenäht. Zunächst den Schlauch mit der rechten Seite nach außen hinlegen und sozusagen die Hälfte der Naht nähen, dann das Ganze auf die "falsche" Seite wenden und den Rest zunähen. Durch die Eingriffsöffnung kann ich den Gürtel ganz einfach wieder auf die richtige Seite wenden.

Hoffe, das klingt nicht zu kryptisch. Probiert es aus, ist total einfach!

Ich werde mir auf jeden Fall noch so ein Teil aus festerem Jersey nähen...

Welchen Sport mögt ihr am Liebsten?
Nina.

Verlinkt: RUMS


Quelle

Freitag, 18. September 2015

No strings attached.

In meinem Bekanntschaftskreis hat sich herumgesprochen, dass ich mich, wie viele andere von euch, in der Flüchtlingshilfe engagiere. Häufig erhalte ich Anrufe, und mir werden Sachspenden, Hilfe, auch Geld angeboten.

Mit den Kindern habe ich Lebensmittelpakete gepackt
und zum Erstaufnahmezentrum gebracht.


Und ich erhalte auch andere Anrufe.

"Weißt du eigentlich, dass es Caritas-Mitarbeiter gibt, die eure Spenden nicht den Flüchtlingen geben, sondern verkaufen?!"

"Na und?"

"Also, die verkaufen das!"

Ich hatte meine Bekannte schon verstanden. Was ich meinte, war: Na und, was kümmert es mich? Und wenn sie es verbrennen würden! Was soll ich mich von dem einen Wappler, dem einen schwarzen Schaf davon abhalten lassen, das zu tun, was ich für richtig und wichtig halte?

In den sozialen Medien kursieren unzählige Fotos, die Mülldeponie-artige Zustände zeigen mit dem Untertitel "So gehen die mit unseren Spenden um". Abgesehen davon, dass es sich manchmal um Fotos handelt, die nach Rockfestivals aufgenommen wurden: Ja, es sieht entlang der Flüchtlingswege und rund um das Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen (Österreich) schlimm aus. Es mag gute Gründe dafür geben. Und ich störe mich nicht daran.

Das mit dem Verschenken ist nämlich so eine Sache. Dass es nicht für alle so einfach und logisch ist wie für mich, habe ich bemerkt, als meine Kinder ins beschenkungsfähige Alter kamen.

"Nicht, Mausi! Nicht abschlecken! Du muss hier drücken, schau, so geht das!"
Wenn man einem 8 Monate altem Kind etwas schenkt, dann wird natürlich drauf rumgekaut, auch wenn das vielleicht nicht der Sinn des Spielzeugs ist.
Später werden dann die Playmobil-Maxerl zerlegt, das Lego nicht nach Anleitung zusammengebaut, der Puppe die Haare geschnitten...
Und ja, meine Kinder dürfen das.

Wenn ich etwas verschenke, dann gebe ich es jemanden, und dem gehört es dann. Es gehört mir dann nicht mehr. Somit habe ich keine Entscheidungsgewalt mehr über diese Sache - der Beschenkte darf damit tun und lassen, was er will.

Wenn ich etwas verschenke, versuche ich es ohne Hintergedanken, ohne Erwartung zu tun. Es gibt da einen treffenden Ausdruck im englischen: No strings attached.

Es bedeutet, dass an mein Angebot keine Erwartungen geknüpft sind, dass ich es gerne gebe, egal, was der andere damit macht. Er muss nicht dankbar sein. Er muss nicht auf ewig mein Freund sein. Ich erwarte keine Gegenleistung. Ich gebe ohne Bedingung.

Natürlich ist das kein Freibrief für sinnlose Zerstörung. Das ist nicht ok - und trotzdem nicht mein Problem.

Der allergrößte Teil der Menschen, die auf der Suche nach Sicherheit in unser Land kommen, werden für die Decken, die Kleidung und für die anderen Dinge, die wir ihnen schenken, dankbar sein.
Aber die, die es nicht sind, die, die damit Handel treiben, es wegwerfen... die kümmern mich nicht. Ich spende gerne - no strings attached.


Nina.



PS: Verzeiht mir die Werbung - ich habe beschlossen, die gesamten Einnahmen meines Shops im September und Oktober, die immer die verkaufstärksten Monate sind, zu spenden. Also, wer noch eine Häkelanleitung brauchen kann... Danke!

Dienstag, 15. September 2015

Karten und Co.

Seit mir eine Freundin ständig die neuen Stampin Up* - Kataloge in die Hand drückt - wie böse von ihr, tut das eine Freundin?? -  und sich die schönen Sachen bei mir stapeln, bastle ich hin und wieder Karten und Geschenkverpackungen. 

Hier ein paar erste Versuche:



Auch das Innenleben dezent verziert:



Eine weniger bunte Karte: 



Und dann habe ich entdeckt, dass es wöchentlich eine Karten-Challenge gibt. Eine tolle Inspirationsquelle für Anfänger wie mich!

Das allgemeine Layout der Karte ist vorgegeben, und was die Bastlerinnen daraus machen, finde ich faszinierend.
Hier also mein allererster Beitrag - herbstlich fotografiert.



Mein Ziel war eine elegante Gratulationskarte für eine Hochzeit oder ähnliches.



Und hier noch eine Inspirationsquelle - Eindruckstempler, der Blog einer Freundin. Wunderschöne Sachen zaubert sie aus Papier, schaut mal rein!

Verlinkt:
creadienstag
match the sketch